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Vor dem Fenster von Frau Sauerteigs Wohnung stand ein wunderschöner kleiner
Kirschbaum. Aber Frau Sauerteig hatte dafür keinen Sinn.
"Im Frühjahr machen die Vögel einen solchen Lärm im Baum, dass man nicht schlafen kann,
und jetzt im Sommer fressen sie die ganzen Kirschen.
Und erst im Herbst! Was der für einen Dreck mit seinen Blättern macht!
Der Baum muss weg", sagte sie zu ihren Mann.
Das hörte der Kirschbaum und traurig ließ er seine Zweige hängen.
"Wir lassen dich nicht im Stich", zwitscherten die Spatzen und berieten sich mit den Amseln.
Dann flogen die Vögel in den nahen Wald.
In der darauf folgenden Nacht kamen ganz leise der Hirsch
und das Reh und andere Waldtiere und scharrten den Kirschbaum vorsichtig aus.
Und die Amseln und Spatzen und große Vögel aus dem Wald flogen ihn zu dem Haus,
wo die armen Kinder wohnten.
Dort pflanzten sie den Kirschbaum wieder in die Erde.
"Er muss noch gegossen werden"
meinte der Hirsch und stieß mit seinem Geweih die Regentonne um.
Da bewegte der Baum seine Zweige, als wollte er "danke" sagen.
Am nächsten Morgen schauten die Kinder aus den Fenstern und
brachten vor Staunen ihr Mündchen nicht mehr zu.
"Ein Kirschbaum! Ein richtiger Kirschbaum! Da ist ja ein Wunder geschehen!"
Sie rannten in den Hof und pflückten von den Kirschen und hüpften vor Freude.
Wie freuten sich da die Amseln und die Spatzen,
und sie flatterten aufgeregt hin und her.
Als aber Frau Sauerteig bemerkte, dass der Kirschbaum verschwunden war,
ließ sie vor Schreck ihre Kaffeetasse fallen.
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