Trauer




Wer nicht will, wird nicht zunichte,
kehrt beständig wieder heim.
Frisch herauf zum alten Lichte
dringt der alte Lebenskeim.

Keiner fürchte zu versinken,
der ins tiefe Dunkel fährt.
Tausend Möglichkeiten winken
ihm, der gerne wiederkehrt.

Dennoch seh ich dich erheben,
eh du in die Urne langst.
Weil du bange vor dem Leben,
hast du vor dem Tode Angst.

Traurig ist`s, wenn Menschen gehen
in das unbekannte Land.
Nie mehr können wir sie sehen
oder spüren ihre Hand.

Doch sie sind vorausgegangen,
halten uns die Tore auf,
werden einstens uns umfangen,
wenn zu End` der Lebenslauf.

Tröste dich in deinem Leid,
das dir Gott beschieden!
Ist doch nur die Vergangenheit
unser Los hienieden.

Eh das Leben oft beginnt,
ist es schon vergangen;
mitten in dem Leben sind
wir vom Tod umfangen.

Arm und reich, und alt und jung,
was sich liebt` und freute,
Hoffnung, Freud, Erinnerung
wird des Todes Beute.

Tröste dich, du liebes Herz!
Groß ist Gottes Güte,
groß und größer als dein Schmerz-
dass dich Gott behüte!

Wenn alles eben käme,
wie du gewollt es hast,
und Gott dir gar nichts nähme,
und gäb dir keine Last.

Wie wär`s da um dein Sterben,
du Menschenkind bestellt?
Du müsstest fast verderben,
so lieb wär` dir die Welt.

Nun fällt- eins nach dem andern-
manch süßes Band dir ab,
und heiter kannst du wandern
gen Himmel durch das Grab.

Dein Zagen ist gebrochen
und deine Seele hofft,
dies ward schon oft gesprochen,
doch spricht man`s nie zu oft.

Warum?

Keiner kennt die Antwort.
Jeder fragt umsonst.
Niemand kommt von dort,
wo du nunmehr wohnst.

Nur der Glaub allein
lässt uns aufrecht stehn,
lässt den Schmerz daheim-
und uns weitergehn.

Immer enger, leise, leise,
ziehen sich die Lebenskreise,
schwindet hin, was prahlt und prunkt,
schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,
und ist nichts ins Sicht geblieben,
als der letzte dunkle Punkt.

Werde heiter, mein Gemüte,
und vergiss der Angst und Pein!
Groß ist Gottes Gnad und Güte,
groß muss auch dein Hoffen sein.

kommt der helle goldne Morgen
nicht hervor aus dunkler Nacht?
Lag nicht eins im Schnee verborgen
dieses Frühlings Blütenpracht?

Durch die Finsternis der Klagen
bricht der Freude Morgenstern;
bald wird auch dein Morgen tagen:
Gottes Güt ist nimmer fern.

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