Poesie




Lebe von der Welt geschieden,
und du lebst mit ihr in Frieden.
Willst du dich mit ihr befassen,
höre, was dir widerfährt!
Du musst lieben oder hassen:
keines ist der Mühe wert.


Erscheint dir etwas unerhört,
bist du im tiefsten Herz empört.
Bäume nicht auf, versuch´s nicht mit Streit,
berühre es nicht, überlass es der Zeit!
Am ersten Tag wirst feige du dich schelten,
am zweiten lässt du dein Schweigen schon gelten,
am dritten hast du´s überwunden.
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.


Weil man auf dieser Welt mehr Kreuz als Freud´ erlebt,
und immer in der Irre schwebt,
so denkt ihr wenig nach, indem ihr so verzagt
den Unbestand des Glücks beklagt
dankt für die Hoffnung doch. ihr Toren dem Geschick
Der Urbestand ist unser Glück.


Bedenke, was du heute tust,
benden´auch, was du morgen musst;
zumeist bedenke, deinem Leben
durch Arbeit Kern und Halt zu geben.
Ein Leben ohne Arbeit gilt
nur was im Rahmen ohne Bild.


Das höchste Glück hat keine Lieder,
der tiefste Schmerz hat keinen Laut.
Sie spiegeln beide still sich wieder
im Tropfen, der vom Auge taut.

So einen sich in stummen Zähren
das höchste Glück, das tiefste Leid,
bis die in Liebe sich verklären,
anbetend in Gottesseligkeit.


Klage nicht, dass dir im Leben
ward vereitelt manches Hoffen.
Hat, was du gefürchtet eben,
doch auch meist dich nicht betroffen.


Sag nie: Dann soll´s geschehen!
Öffne dir ein Hinterpfördchen
durch "Vielleicht", das nette Wörtchen,
oder sag: ich will mal sehn!
Denk an das Geschickes Walten.
Wie die Schiffer auf den Plänen
ihrer Fahrten stets erwähnen:
Wind und Wetter vorbehalten!


In meinem Garten find ich
viel Blumen, schön und fein,
viel Kränze wohl daraus wind ich,
und tausend Gedanken bind ich
und Grüße mit darein.


Wer seinen Nächsten dadurch nützt
dass er demselben hilft und schützt,
der hat - was aus der Urschrift gilt,
das Hauptgesetz der Welt erfüllt;
wer aber nur aus Absicht gibt,
daher nicht die Reinheit liebt,
der hat in seinem Tun und Sein
vom waren Glauben - nur den Schein.


Nicht das Schönste auf der Welt
soll die am meisten gefallen,
sondern was dir wohlgefällt,
sei dir das Schönste von allen!


Der Frühling des Jahres, wie glänzt er im Mai!
Doch wenige Wochen, so flog er vorbei.
Der Frühling der Jugend, wie blüht er so schön!
Doch wenige Jahre, so muss er verwehn.
Der Frühling des Herzens, ein reines Gemüt,
o liebliche Gabe, die nimmer verblüht!


Zufrieden sein ist große Kunst,
zufrieden scheinen bloßer Dunst,
zufrieden werden großes Glück,
zufrieden bleiben Meisterstück.


Wie dieses Album ist auch ein Geschenk dein Leben,
das aufbewahrt in Gottes Händen bleibt
Ein leeres Blatt wird jeglichen gegeben,
und jeder ist nur, was er darauf schreibt.

Ein guter Ding ist guter Rat, am rechten Ort
zur rechten Zeit,
doch merke dir, es ist dabei zu merken eine
Heimlichkeit.
Und weißt du welche? Staune nur! - Ein guter
Rat hilft - weißt du wann?
Wenn du ihm folgst! - Das wusstest du wohl schon;
denk´ nur daran.


Solange Herz und Auge offen,
um sich am Schönen zu erfreun,
solange, darf man freudig hoffen,
wird auch die Welt vorhanden sein.


Freundlichkeit ist eine Gabe,
die mehr bringt als Geld.
Sie ist die allerbeste Habe
und bringt dich durch die Welt.


Gutes tu´rein aus des Guten Liebe,
was du tust verbleibt dir nicht
und wenn es auch dir verbliebe,
bleibt es deinen Kindern nicht.


Im Glück nicht jubeln und im Sturm nicht zagen,
das Unvermeidliche mit Würde tragen!
Das Rechte tun, am Schönen sich erfreuen,
das Leben lieben und den Tod nicht scheuen.


Es kann die Ehre dieser Welt
dir keine Ehre geben.
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
muss in dir selber leben.


Glücklich, wem die Tage fließen,
wechselnd zwischen Freud und Leid,
zwischen Schaffen und Genießen,
zwischen Welt und Einsamkeit.


Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
denn das Glück ist immer da.


Lüge, wie sie schlau sich hüte,
bricht am Ende stets das Bein
kannst du wahr sein nicht aus Güte
lern aus Klugheit wahr zu sein.

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