Muttertag (2)




Diese Gedichte sendete mir Corinna zu, lieben Dank :-)

An Meine Mutter

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
und meine ganze Seele nimm darin;
wo man am meisten fühlt,
weiß man nicht viel zu sagen!

Anette von Droste-Hülshoff

(mit einem Sträußlein Waldmeister)
Weiß und grün ist mein Strauß,
hübsch bescheiden sieht er aus.
Frisch vom Wald kommt er herein.
Rieche nur, er duftet fein.
Liebe Mutter, er bringt mit,
was ich dir wünsche: Lauter Glück!

Josef Guggenmos

Meine Mutter ist still geworden
all ihre Macht gab sie fort, lenkt nicht mehr meine Schritte
mit strengem Wort.
Meine Mutter ist still geworden,
sinnt nun weit mehr, als sie spricht,
und meine sondren Wege,
sie rügt sie nicht.
Aber wenn ich sie befrage
über mein Leben und Leid,
sie weiß von jedem Tage
gar wohl Bescheid.
Und sie lächelt zuweilen leise,
nickt auch bedenklich und schwer
doch geizt sie mit dem Lobe
und schilt nicht mehr.
Und ich such doch ihre Augen,
suche sie wie einst als Kind,
die voll der alten Liebe
und neuer Weisheit sind.

Ernst Zahn

Der Mutter Amt

O Mutterlieb', du heilig Amt,
vom Herrn der Ewigkeit verliehen,
die Seele, die vom Himmel stammt,
dem Himmel wieder zu erziehen!
O Mutterlieb', du strenge Pflicht,
der Ewigkeit gehört dein Walten!
Die Rechenschaft, vergiss sie nicht,
lass deinen Eifer nicht erkalten!

Oskar von Redwitz

Die mich einst
mit Schmerz gebar doch mit Mutterfreuden -
da ich noch ein Knäblein war,
vieles musste leiden,
stets mich doch mit Sorg' gepflegt
und mit Angst und Mühe
und mich oft noch huldreich trägt:
Siehe, wie ich blühe.
Und ein Liedchen singe ich
dir voll Dank und Freude.
Nimm es an und freue dich,
höre, was ich heute
wünsche dir voll Dankbarkeit:
Lebe uns zufrieden
lange noch; was dich erfreut,
müsse dich hienieden
stets beglücken; ohne Rast
blühen deine Wangen
von Gesundheit, Sorgenlast
möge dich nicht fangen.
Und mit froher Munterkeit
werd des Alters Beute,
schau der Kinder Seligkeit,
sieh, dies wünsch ich heute.

Novalis

Die Mutter trägt

im Leibe das Kind dreiviertel Jahr;
die Mutter trägt auf Armen
das Kind, weil's schwach noch war;
die Mutter trägt im Herzen
die Kinder immerdar.

Friedrich von Logau

O glücklich,
wem in Kindestagen,
ein warmes Mutterherz geschlagen,
wem aus dem ewig treuen Munde
von echter Liebe kam die Kunde!
Wer dich auch liebt, o glaube mir,
kein Mensch es meint so gut mit dir.
Drum halt ihr Wort in fester Hut,
es macht das Herz dir rein und gut.
Und hellt das Aug und stärkt die Hand
und wandert mit von Land zu Land.
Wie dann das Leben dich bekriegt,
ein Zauber dir im Herzen liegt.

Otto von Leigner

Bin ich in später Nacht allein,
wenn alles ruht, wenn alles schweigt,
o wie sich dann mein ganzes Sein
zu dir mit Macht hinüberneigt!
Und wieder kommt dein liebes Bild,
hold lächelnd wie in jenen Tagen,
und nickt mir zu, als spräch es mild:
"Mein armer Junge, lass dein Klagen!
Noch bist du mein, noch bin ich dein,
schütt aus dein Herz an Meinem Herzen,
vergessen wirst du alle Pein
und alle noch so herben Schmerzen." -
Einst hast du oft dieses Wort gesagt,
mich dann gestreichelt und umschlungen,
wenn ich in trüber Zeit geklagt,
wenn ich mit Sorgen bang gerungen.
Nun bist du fort, nun bist du fern,
wie hat sich alles nun gewendet,
doch bist du immer noch ein Stern,
der seine schönen Strahlen sendet,
denn immer kommt dein liebes Bild,
hold lächelnd wie in jenen Tagen
und nickt mir zu, als spräch es mild:
"Mein armer Junge, lass dein Klagen!"

Hermann Allmers ("Muttertrost")

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